Interview: Hochschulrat für eine soziale und offene Hochschule

Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter engagieren sich in vielen Gremien. Weniger bekannt ist, dass sie auch in Hochschulräten in vielen Universitäten und Fachhochschulen mitwirken. Thomas Wessel, IG BCE-Mitglied und Personalvorstand der Evonik Industries AG, ist nicht nur Mitglied, sondern auch Vorsitzender des Hochschulrates der Westfälischen Hochschule. Im hochschulblog sprechen wir mit ihm über sein Engagement, die Gestaltungsmöglichkeiten und seine Motivation.

Warum engagierst Du Dich als Vorsitzender im Hochschulrat der Westfälischen Hochschule?

Bildung ist der Schlüssel für eine gute und erfolgreiche Zukunft. Eine gute Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern lag mir während meiner gesamten Berufslaufbahn stets sehr am Herzen. Insbesondere in meiner Zeit als Vorsitzender der Geschäftsführung der RAG BILDUNG GmbH konnte ich hier viele positive Weichenstellungen vornehmen. Umso interessanter und bereichernder ist nun auch die Funktion des Vorsitzenden des Hochschulrates der Westfälischen Hochschule für mich. Ich selbst komme aus dem Ruhrgebiet und freue mich, die Zukunft von Bildung in dieser Region nun auch auf wissenschaftlicher Ebene mitgestalten zu können. Die Westfälische Hochschule steht für ausgezeichnete Bildung und erfolgreiche Forschung. Beides gilt es zu unterstützen.

 

Wie lange wirkst Du bereits in dem Gremium mit?

Das Gremium hat sich im Januar 2013 offiziell konstituiert und als Vorsitzender wirke ich seit dem 23. Februar 2013 mit.

 

Was hast Du in der Rückschau bislang schon bewegen können?

Gemeinsam mit dem Wissenschaftsministerium und Vertreterinnen und Vertretern der Hochschulen und Landespersonalrätekonferenzen wurde der Rahmenkodex "Gute Beschäftigungsbedingungen für das Hochschulpersonal" entwickelt. Die Westfälische Hochschule hat diesen als erste Hochschule in Nordrhein-Westfallen im Jahr 2015 unterzeichnet. Wir unterstützen hierbei die Umsetzung des im Jahr 2014 beschlossenen Hochschulzukunftsgesetzes. Beispielsweise familiengerechter Umgang mit Teilzeitbeschäftigung oder die Etablierung und Ausbau gesundheitsfördernder Arbeitsbedingungen wurden angegangen. 

 

Welche Gestaltungsfelder hast Du als Hochschulrat, inwiefern kannst Du die Steuerung der Westfälischen Hochschule beeinflussen?

Der Hochschulrat berät das Präsidium und übt zudem auch die Aufsicht über dessen Geschäftsführung aus. Auch werden der Hochschulentwicklungsplan und Zielvereinbarungen mit dem Land NRW mitbestimmt. Mit fünf internen Hochschulmitgliedern aber auch fünf externen Persönlichkeiten aus der Industrie, Wissenschaft und Wirtschaft im Hochschulrat können wir das Präsidium wissenschaftlich, aber auch praxisnah beraten.

 

Die Westfälische Hochschule ist als eine Hochschule bekannt, die besonders sozial und offen gestaltet ist, in der besonders viele junge Menschen studieren, die nicht aus Akademikerhaushalten kommen. Zugleich sind im Hochschulrat gleich drei Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter engagiert. Ist das ein Zufall?

Bildung auch denjenigen zu ermöglichen, die zwar die Fähigkeiten dazu haben, denen von Haus aus aber keine akademische Laufbahn in die Wiege gelegt ist, liegt mir besonders am Herzen. Mit Blick auf die demografische Entwicklung in Deutschland müssen wir alle Talente nutzen, die zur Verfügung stehen. Alles andere wäre unsinnig. Gewerkschafter unterstützen diesen wichtigen Ansatz sicherlich von Hause aus. Die vielfältige Zusammenstellung des Hochschulrates über die Besetzung mit Gewerkschaftern hinaus ist in dieser Frage aber sicherlich besonders wertvoll.

 

Die Aufgaben der Hochschulräte wurden mit der Novellierung des Hochschulzukunftsgesetzes neu zugeschnitten. Im Kern sind sie heute für die wirtschaftliche Aufsicht, Wahl und Beratung der Hochschulleitung zuständig. Wie nimmst Du die Veränderungen nach der Novellierung in der Praxis wahr? Welche Änderung ist hilfreich, welche neuen Herausforderungen haben sich aber auch ergeben?

Aus meiner Sicht ergeben sich die Herausforderungen nicht aus der Überarbeitung des Hochschulzukunftsgesetzes, sondern sie werden damit angegangen. Erst die Überarbeitung ermöglicht es, die Zukunft aktiv gestalten zu können. Mit dem Gesetz ist für die Hochschulen ein stärkerer Fokus auf die individuellen Lebensumstände der Studierenden möglich. Beispielsweise kann das Teilzeitstudium nun individuell angepasst werden. Für Studierende mit beruflichen oder familiären Verpflichtungen ist diese Änderung sehr attraktiv. Weiterhin ist Diversity Management nun gesetzlich fest verankert worden. Es bieten sich viele neue Chancen für die Westfälische Hochschule durch die Gesetzesänderungen.

 

Ziel ist es stets, die Arbeit der Hochschulen noch besser zu gestalten, um mehr junge Menschen erfolgreich durch ein qualitativ gutes Studium zu führen. Wenn Du einen Wunsch offen hättest, was würdest Du Dir wünschen, damit dieses Ziel an der Westfälischen Hochschule noch besser erreicht werden kann?

Als Vorsitzender des Hochschulrates liegt mir die Westfälische Hochschule natürlich besonders am Herzen. Ich würde mir wünschen, dass die Neugier bei der Entdeckung neuer Möglichkeiten, zum Beispiel für eine engere Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft nicht nachlässt.   

Dies ermöglicht Studierenden bereits während des Studiums greifbare Perspektiven und wertvolle Kontakte und bietet auch Unternehmen eine sehr gute Möglichkeit über Praxisprojekte frische Ideen von außen zu erhalten und auf diesem Wege potentielle künftige Mitarbeiter kennenzulernen.

Für die Qualität von Forschung und Lehre ist es zugleich unabdingbar, gute, engagierte Köpfe zu gewinnen. Nur so kann die Hochschule ein attraktives Angebot an Lehrveranstaltungen und ein eigenes Profil bieten.

Letzteres ist sicherlich auch eine Frage der bereitgestellten Mittel durch das Land und ein wichtiges Zeichen für die Region, denn: Bildung ist und bleibt in unserer Wissensgesellschaft das wichtigste Gut und ein Investment in die Zukunftsfähigkeit unseres Landes.

 

 

Industriegewerkschaft Bergbau Chemie Energie (IG BCE)
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