Vertreter*innen studentischer Hilfskräfte vor großen Herausforderungen

Über 28.000 studentische Hilfskräfte unterstützen Forschung und Lehre an den Hochschulen in Nordrhein-Westfalen. Durch eine Reform im Jahr 2014 wurde die Wahl von Beauftragten für die Belange studentischer Hilfskräfte an allen Hochschulen Gesetz. Doch wie sieht die Situation der studentischen Hilfskräfte an den Hochschulen in NRW heute aus? Welche Fortschritte gibt es? Welche Erfahrungen machen die ersten gewählten Beauftragten? Der Hochschulblog hat sich umgehört.

„Bisher läuft es noch schleppend, was vor allem daran liegt, dass die Stelle noch nicht so bekannt ist und viele sich nicht trauen Nachfragen zu stellen“, fasst Daniel Konecny die Situation an der RWTH Aachen zusammen. Er spricht für viele seiner Kolleginnen und Kollegen an den übrigen Universitäten. Zwar sind die Beauftragten an fast allen Hochschulen mittlerweile gewählt, doch sie kämpfen noch um Aufmerksamkeit. Viele Hilfskräften wissen noch nichts von ihren Beauftragten, die ihnen für jegliche Fragen zum Arbeitsplatz und ihren Rechten und Pflichten zur Verfügung stehen.

Dabei gibt es genug Probleme: Massig Überstunden, Arbeit bis in den späten Abend, ein eigenwilliger Umgang mit Urlaubsansprüchen, Kettenverträge und niedrige Stundenlöhne führen vielerorts zu Verhältnissen der Ausbeutung denn zu Verhältnissen guter Beschäftigung.

Eine Tätigkeit als Hilfskraft an Lehrstühlen wird von vielen als Sprungbrett in die Wissenschaft gesehen. Immer wieder werden Bachelorabsolventinnen und –absolventen jedoch keine echten Perspektiven aufgezeigt, sondern vor allem schlecht bezahlt: „Der Großteil derjenigen, die bis jetzt zu mir kommen, sind Studierende, die schon einen Bachelorabschluss haben und einen Master studieren, aber noch den SHK-Stundenlohn von 10€ erhalten und eben nicht die Vergütung, die Ihnen als WHK zusteht“, erklärt Konecny gegenüber dem Hochschulblog. Mit dieser Beobachtung ist er nicht alleine.

„Die vielfache Praxis, dass auch Studierende mit einem Bachelorabschluss als SHK beschäftigt werden, ist seit dem WissZVG zumindest rechtlich nicht mehr möglich. Oftmals werden die studentischen Beschäftigten jedoch mit der Aussicht auf eine Vertragsverlängerung in den SHK-Beschäftigungsverhältnissen gehalten. Insgesamt ist daher natürlich die Befristungspraxis das hauptsächliche Problem“, erläutert die Jugendbildungsreferentin der GEW NRW, Julia Löhr.

An der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben Hilfskräfte die neuen Möglichkeiten der Interessenvertretung erkannt und sich zu Beginn des Jahres 2016 immer enger zusammengeschlossen und vernetzt – untereinander, aber auch vor Ort mit der GEW und dem DGB. Um eine echte Interessenvertretung an der UDE aufzubauen arbeitete die Initiative der studentischen Hilfskräfte an der UDE u.a. eine Regelung zur Wahl der Beauftragten aus, organisierte mit dem AStA und Gewerkschaften eine Veranstaltung, um auf Rechte und Pflichten aufmerksam zu machen, knüpfte Kontakte zum wissenschaftlichen Personalrat und trifft sich mindestens alle zwei Monate zum Austausch.

Auch in Münster haben sich studentische Hilfskräfte schnell mit dem AStA und den Gewerkschaften vor Ort vernetzt, eine Gewerkschaftliche Hochschulgruppe aufgebaut und auf diesem Wege wichtige Grundlagen für eine starke Interessenvertretung erkämpft: Studentische Hilfskräften werden als Beauftragte vier Stunden pro Woche bei Lohnfortzahlung von ihrer Hilfskrafttätigkeit freigestellt. Ähnlich läuft es auch an der Universität zu Köln.

In Bielefeld können studentische Hilfskräfte eine Aufstockung ihres Vertrags um weitere fünf Stunden zum Zweck ihrer Tätigkeit als Beauftragte beantragen, wenn sie Vollmitglied des Rates der studentischen Hilfskräfte sind (sog. SHK-Rat). Die Universität Siegen geht ganz ähnlich vor. Doch das sind die Ausnahmen. An nahezu allen Universitäten ist nur von einer ‚angemessenen’ Freistellung oder Entlastung die Rede, eine wenig praktikable Regelung.

Yannic Kerkhoff ist Vorsitzender des SHK-Rates in Bielefeld. Zwar ist die Arbeit im SHK-Rat im Schatten von Klausuren und Praktika nicht immer einfach, erzählt er. Seine Arbeit als Beauftragter macht er trotzdem gerne: „Im Prinzip ist die Arbeit relativ angenehm. Nur ist man in manchen Angelegenheiten des Arbeitsrechts etwas überfragt. Haken wir aber bei den jeweiligen Arbeitgebern bei Problemen nach, geben diese meistens den Wünschen des Beauftragten statt.“

Mehr Aufklärung hinsichtlich der Rechte und Pflichten von Hilfskräften aber auch der Beauftragten wünschen sich viele Vertreterinnen und Vertreter studentischer Hilfskräfte. Die GEW NRW bietet deshalb am 17. März eine landesweite Schulung für alle SHK-Vertreterinnen und -Vertreter in Düsseldorf an. Unterstützer finden Hilfskräfte außerdem im Landesausschuss für Student*innen (LASS) der GEW NRW: „Der LASS setzt sich auf zwei Ebenen für Hilfskräfte ein: Zum einen auf einer praktischen Ebene durch Beratung, Vernetzung und die Organisation von Schulungen. Und zum anderen auf einer politischer Ebene für bessere Arbeitsbedingungen, eine ausgeprägte Personalvertretung und für eine längst überfällige tarifliche Eingruppierung von Hilfskräften. Diese Themen sind immer auch gewerkschaftliche und der LASS bietet innerhalb einer Gewerkschaft Strukturen, aber auch Freiraum etwas zu bewirken“, erklärt Marvin Weißmann aus dem Sprecherteam des LASS gegenüber dem Hochschulblog.

Auch Laura Dinnebier von der Universität Duisburg-Essen wird am 17. März in Düsseldorf dabei sein. Sie ist zunächst erleichtert, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen an der UDE im Sinne der Hilfskräfte gestaltet werden konnten. „Inwiefern aber die Arbeit der Beauftragten bei Instituten, Fakultäten und dem Rektorat auf Widerstände trifft, wird die Zukunft zeigen. Ich bin jedoch optimistisch und bereit gegen etwaige Widerstände zu arbeiten.“

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